Kein rosa Tutu

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Aufstellen“, ruft Andreas Bender quer durch den Raum. Er selbst hat seine Position in der Ecke hinten rechts längst schon eingenommen. Die anderen vier Herren um ihn herum benötigen noch etwas Zeit. „Super Trouper“ von Abba knarzt aus den Boxen, etwas verändert, tanzbarer, mit elektronischer Untermalung irgendwo aus dem Eurodance. Dann beginnen die Männer zu tanzen – oder versuchen es zumindest, es ist ja erst der Anfang.

21.30 Uhr am Freitagabend – Trainingszeit der „Dream Boys“ der FKG Narrhalla im Bunker. „Wir machen hier Männerballett“, klärt Bender schnell auf. Doch irrt, wer glaubt, es sprängen dickliche Herrschaften, gequetscht im rosafarbenen Tutu, über die Bühne. Die Darbietung geht vielmehr in Richtung Schautanz mit Elementen aus dem Gardetanz und Cha-cha-cha, der die Menschen auf lustige Weise unterhalten soll.

Lockerer als die Garde

„Dream Boys“, das sind fünf Herren zwischen 20 und 56 Jahren, die seit 2012 als Gruppe tanzen – und, wie auch die Kinder-, Jugend- und Damengarde des Vereins, auf der Suche nach Verstärkung sind. „Manche Bewegungen sind nichts mehr für mein Alter“, so Bender. Umso wichtiger sei es daher, gerade junge Männer zu finden, um das Ballett in gewohnter Weise fortzuführen, am Leben zu erhalten – und, um vielleicht die ein oder andere Hebefigur mehr einzubauen. Jeder Mann ab 18 Jahren sei also gerne gesehen.

„Ich bin damals hierhin zum Verein gewechselt und habe vorgeschlagen, ein Männerballett zu gründen, weil ich in meinem alten Verein schon in einem war“, erklärt Bender. Die Idee fand Anklang. Auch bei Sebastian Reichmann, der früher einmal in der Garde tanzte, aber nun Gefallen gefunden hat, an der lockereren Art des Männerballetts.

Geprobt für die Auftritte wird unter der Leitung der Gardetrainerin Sandra Haus in einem kleineren Raum, verblasste gelbe Wände bestimmen das Bild, an einer Seite hängen Spiegel. „Wir üben heute einen Tanz für die kommenden Straßenfeste“, erklärt Sandra. Getanzt wird zu Abbas größten Hits.

Es wird viel gelacht

Drei Wochen Pause hatte die Gruppe, da ist mancher Schritt vergessen, mancher Muskel noch nicht reaktiviert. „Peter ist im Kreis zwischen euch“, ruft Sandra. „Stopp, stopp, noch mal von vorne bitte“, unterbricht sie sofort. Viel ist nach der ersten Viertelstunde noch nicht zu erkennen, dafür aber wird das Fenster schon mal für frischen Sauerstoff geöffnet. Plötzlich taucht Sandra mit einem Video auf ihrem Handy auf – vom Training von vor drei Wochen. „Ah ja, genau“, ist zu hören. Noch einmal von vorne. Zwei Schritte vor, mit den Armen zum Rhythmus durch die Luft, Cha-cha-cha Schritte links, rechts, eine Drehung zur Seite. Mancher Rücken weigert sich dennoch und spart die Hebebewegungen vorsichtshalber aus. Noch mal von vorne. „Und dieses Mal mit Heben“, mahnt Sandra.

Die Geduld verliert sie als Frau zwischen den Männern nicht, dafür ist der Spaßfaktor zu groß. Auch, wenn es oft am Taktgefühl und der Hand-Fuß-Koordination der Männer hapere, „passt es schon, irgendwann bleibt das hängen“, so Trainerin Haus. Es wird viel gelacht, sehr viel, sie nehmen sich dort nicht allzu ernst, diszipliniert sind sie dennoch, im Juli muss der Tanz sitzen.

„Geht doch!“, lobt Haus nach rund einer Stunde schweißtreibender Arbeit. „Noch einmal von vorne.“

Informationen zu Trainingszeiten und -ort unter www.fkg-narrhalla.de.