Narren lachen über die Stadt

Bunker im Riederwald

Narren lachen über die Stadt

05.06.2015 Von Andreas Haupt

Zu den sechs Bunkern, die die Stadt vom Bund kauft, ist auch jener in der Lasallestraße. Eine falsche Entscheidung, findet der Vereinsring Riederwald. Denn die Vereine nutzen überwiegend den Bunker in der Schäfflestraße – den die Stadt nicht gekauft hat. Bilder -> Foto: FNP (ftv-Hamerski)Seit knapp 30 Jahren nutzt der Karnevalverein Narrhalla den Bunker in der Schäfflestraße. Lana Reichmann (links) und Marta Filocomo (rechts) tanzen in der Garde und trainieren auch im Bunker. Michaela Reichmann war in der jüngsten Kampagne Sitzungspräsidentin.

Riederwald. 

Die Ironie kann sich Peter Fritz, Vorsitzender des Vereinsrings Riederwald und des Karnevalvereins FKG Narrhalla, nicht verkneifen. „Frohlockend aufgenommen“, habe er die Nachricht, dass die Stadt neben fünf weiteren auch den Bunker in der Lasallestraße 2 vom Bund kaufen wolle. „Mit uns hat leider vorher keiner geredet“, bedauert er. Dann hätte die Stadt gemerkt, dass die Vereine im Stadtteil vor allem den Bunker in der Schäfflestraße nutzen. Für Fritz steht deshalb fest: Die Stadt erwerbe den falschen Bunker.

Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, widerspricht. Er verweist darauf, dass die Stadt sich eine Option gesichert habe, auch den Bunker in der Schäfflestraße zu kaufen.

Viel Eigenleistung

„Aber der Bunker in der Lasallestraße ist nicht ausgebaut. In der Schäfflestraße hingegen haben die Vereine viel Arbeit in den Ausbau gesteckt.“ Allen voran die FKG Narrhalla, die neben ihrem Vereinslokal auch ihr Büro, Trainingsräume und Lager hat. „Wir haben alles selbst gemacht. Sogar der Brandschutz ist im Gegensatz zu dem im Gebäude in der Lasallestraße fast auf dem neuesten Stand.“ Als zweiter Fastnachtsverein hat die Bornheimer „Pierrette“ hier ein Lager. Außerdem proben hier Bands und die DLRG hat sich eingemietet.

Auch Stefan Klee, der für die Linke im Ortsbeirat 11 sitzt, sagt: „Die Stadt hat den falschen Bunker erworben.“ Nicht nur sei die Auslastung in der Lasallestraße gering, die Räume seien auch für Vereine unpraktisch. „In der Schäfflestraße gibt es große Räume, in der Lasallestraße hingegen viele kleine, die fast wie Zellen wirken. Als Lager oder Vereinsheim sind sie kaum nutzbar.“ Auch sei die Belüftung schlechter, sagt Klee: In der Schäfflestraße gebe es richtige Fenster, in der Lasallestraße hingegen gebe es nur kleine Lüftungsschlitze.“ Auch die Sanitäranlagen seien in der Lasallestraße in keinem guten Zustand.

„Natürlich haben wir uns die Bunker vorher angeschaut“, betont Gellert. „Wir kaufen die Bunker ja, um bestehende Nutzungen durch Vereine erhalten zu können, und nicht, um jemandem den Hahn abzudrehen.“

Im Riederwald gehe es wie bei den anderen fünf gekauften Bunkern darum, die Arbeit der Vereine, die sich dort eingemietet haben, abzusichern, erklärt Gellert. Die Stadt wolle verhindern, dass Investoren die Gebäude kaufen – und die Vereine ausziehen müssten. „Wir haben geschaut, welche Vereine die Bunker nutzen. Und es gibt viele andere, die ein preiswertes Vereinsheim, Probenräume oder ein Lager suchen.“

Unter ein Dach ziehen

Im Riederwald wolle die Stadt zunächst schauen, ob die Vereine gemeinsam in einen Bunker ziehen könnten, um Kosten zu sparen, sagt Gellert. „Aber niemand soll dazu gezwungen werden.“ Stelle sich heraus, dass das nicht gehe, gebe es ja noch die Option, auch den Bunker in der Schäfflestraße zu kaufen.

Umziehen, sagt Fritz, könne die FKG Narrhalla auf keinen Fall. „Wir haben viel Zeit und Geld investiert, um den Bunker in der Schäfflestraße in Schuss zu halten. Einen Umzug, alles neu aufzubauen, können wir uns nicht leisten. Das würde das Ende des Vereins bedeuten.“ Schon einmal musste der Verein einen Bunker räumen, jenen in der Freiligrathstraße. „Das hat uns fast das Genick gebrochen“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende. Fast zwei Drittel der Mitglieder machten den Umzug von Bornheim in den Riederwald nicht mit.

Glücklich mit der Entscheidung der Stadt ist hingegen der Vorsitzende des kleinen Dartvereins FV Riederwald 81, Marc Schäfer. „Für uns wäre es nicht schlecht, wenn auch andere Vereine hier her ziehen würden. Hier drinnen kann man auch so laut sein, wie man will – die Nachbarn bekommen davon wegen der dicken Wände nichts mit.“ Zwar stimme es, dass viel Räume brachliegen, seit der Fastnachtsverein „Die Spinner“ nach seiner Auflösung auszog. Und Keller und zweites Obergeschoss seien nie ausgebaut worden. Im Keller stünden sogar noch die alten Lüftungsmaschinen aus dem Weltkrieg. „Aber man könnte auch dünnere Innenwände herausreißen, so wie die ,Spinner‘ es gemacht haben. Dann entstehen große Räume.“ Auch wolle die Stadt ja in den Brandschutz investieren. Die Kosten dafür, so Mark Gellert, seien überschaubar.

Fritz und Klee hingegen sehen das anders: Statt nun in der Lasallestraße viel investieren zu müssen, hätte die Stadt mit dem Geld den Bunker in der Schäfflestraße kaufen sollen. „Zumal hier der Abstand zu den Nachbarn größer ist. Nicht umsonst findet der Weihnachtsmarkt immer am Bunker Schäfflestraße statt“, so Klee.